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Gründer: Erste Stufe der Businessplan-Wettbewerbe beendet / Die besten Geschäftspläne werden noch gesucht
Bayern und Preußen liegen vorn

In München und Berlin wurden insgesamt 20 Gründerteams für ihre Geschäftsideen ausgezeichnet.
MÜNCHEN/BERLIN In Bayern ist die Welt bekanntlich ein bisschen heiler als anderswo. Das belegt auch die im Bundesvergleich relativ niedrige Arbeitslosenzahl. Und die führt Hans Spitzner vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie vor allem auf die hohe Zahl der Selbstständigen im Freistaat zurück. Anlässlich der Auszeichnung der zehn besten Geschäftsideen im Rahmen des Münchner Businessplan Wettbewerbs (MBPW) ist Spitzner voll des Lobes für risikofreudige Unternehmer-Menschen: "Jeder, der sich selbstständig macht, schafft im Durchschnitt drei Arbeitsplätze." Bayern hat in den letzten zehn Jahren eine Zunahme der Selbstständigen um 20 Prozent erlebt, wobei München sich als Gründerhochburg hervorgetan hat. Ein Großteil der Innovationen kommt dabei nicht von etablierten Firmen, sondern von Existenzgründern. Und die verdienen es, unterstützt zu werden. Der Münchner Businessplan Wettbewerb, der von Wirtschaft und Hochschulen getragen wird, sieht seine Hauptaufgabe im Aufbau einer Gründerkultur und eines Gründernetzwerks in der Munich Area. Dieses Netzwerk ist gewoben aus innovativen Ideen, Managementerfahrungen aus der Praxis und Unterstützung beim Zugang zu Beteiligungskapital. Er funktioniert genau genommen wie ein kostenloses Lernprogramm. In Ringvorlesungen werden Informationen zu Fragen des Gründungsmanagements behandelt, Crashkurse vermitteln das nötige Wissen zur Erstellung eines Businessplans und in einer Art Gründerkontaktbörse stehen erfahrene Coaches zur Verfügung, die - in absoluter Diskretion - auch beim Knüpfen der ersten Kontakte zu Kapitalgebern und künftigen Geschäftspartnern mitwirken können. Aber die Welt ist nicht nur in Bayern in Ordnung. Fast zur gleichen Zeit wie Spitzner in München dem bayerischen Unternehmergeist applaudierte, rühmte in Berlin Wolfgang Branoner, Senator für Wirtschaft und Technologie, die Hauptstadt als Brutkasten innovativer Ideen: "Berlin nimmt bundesweit eine Spitzenposition bei den Existenzgründungen ein", sagte der Senator anlässlich der Preisverleihung im preußischen Wettbewerbs-Pendant. Branoner rühmte die Rekordbeteiligung von 250 Teams an der ersten Stufe des mittlerweile fünften Businessplan Wettbewerbs Berlin/Brandenburg. Dazu vermerkte Wolfgang Fürniß, Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg und neben Branoner Schirmherr des Wettbewerbs: "Es ist uns gelungen, noch mehr kreative Köpfe im Umfeld der regionalen Hochschulen zu erreichen als in den Jahren zuvor." Branoner sieht hier allerdings noch weiteres Wachstumspotenzial: "Es gilt langfristig, die derzeitige Quote von 10 Prozent der Hochschulabsolventen, die sich alleine oder im Team mit Kommilitonen selbstständig machen, auf bis zu 30 Prozent oder auch mehr zu steigern. Der Businessplan Wettbewerb lauft in München wie in Berlin in drei Stufen ab, in denen die Teilnehmer ihre Geschäftsidee zu einem fertigen Businessplan ausarbeiten. Mit jeder Stufe steigen die Anforderungen an Inhalt und Umfang. In Stufe 1 müssen Geschäftsidee und Kundennutzen skizziert werden (Preisgeld: 10 x 1000 Mark). In Stufe 2 muss ein Grob-Businessplan mit dem Konzept zur Ausschöpfung des Marktpotenzials vorgelegt werden. (Preisgeld: 10 x 2500 Mark in München; 10 x 2000 in Berlin/Brandenburg). In Stufe 3 wird schließlich ein detaillierter Businessplan mit Umsetzung des Geschäftskonzepts und der Ermittlung des Finanzbedarfs erwartet (Preisgeld in Bayern 30/40/50.000 Mark; in Berlin/Brandenburg 5/10/20.000 Mark). Eine Jury aus Unternehmern und Venture-Capital-Gebern befasst sich eingehend mit jeder eingereichten Geschäftsidee und erstellt eine schriftliche Beurteilung. Hinter dem Münchner Wettbewerb stehen Namen wie HypoVereinsbank, BMW, Siemens, Deutsche Bank und FAZ; den Berliner Wettbewerb unterstützen unter anderem Deutsche Ausgleichsbank, Unternehmensverbände Berlin und Brandenburg, Berliner Volksbank, Deutsche Post und die Wirschaftsprüfergesellschaft Price-Waterhouse-Coopers. Die Unterstützung durch die Businessplan-Wettbewerbe trägt offensichtlich diesseits und jenseits des Weißwurstäquators Früchte. Wie die Berliner melden auch die Münchner Wettbewerbsträger einen neuen Rekord: Für 1999/2000 wurden in der bayerischen Landeshauptstadt insgesamt 204 Geschäftsideen von Einzelpersonen (41 Prozent) und Teams (durchschnittliche Teamgröße 2,24 Personen) eingereicht - das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 75 Prozent. Aus dem unternehmerischen Umfeld kamen etwas mehr Bewerbungen als von Hochschulen und Forschungseinrichtungen, nämlich 53 Prozent. Die meisten Gründungsideen stammen aus dem Großraum München (75 Prozent), während aus dem übrigen Bayern 8 Prozent eingesandt wurden. Doch die Teilnehmer kamen nicht nur aus dem Freistaat: 15 Prozent der eingereichten Geschäftsideen stammten aus den anderen Bundesländern, 2 Prozent aus dem Ausland. In Berlin/Brandenburg waren Studenten und Hochschulmitarbeiter die eifrigeren Erfinder neuer Geschäftsideen. Von den vorgelegten 187 Dienstleistungs- und 63 Produktideen kommen die meisten aus den Universitäten Berlins und Brandenburgs und betreffen vor allem die Branchen Medien, Kommunikation, Informationstechnologie, Handel, Konsum, Freizeit sowie Umwelt, Energie und Recycling. Die zehn besten Geschäftsideen der ersten Stufe des Businessplan-Wettbewerbs 2000 stammen von neun Berliner Teams und einem aus Neu-Ulm. Dabei reichen die für die Prämierung ausgewählten innovativen Ideen vom mobilen Robotersystem zur Sicherheitsüberwachung von Geschäftsräumen über die Entwicklung von Tumor - Gentherapeutika bis hin zum Atelier für Tangomode oder einem neuartigen Frühstücksservice. In der jetzt beginnenden Stufe 2 des Gründerwettbewerbs sollen die Teilnehmer in Berlin bis zum 16. März (München: 24. März) ein Konzept zur Ausschöpfung des Marktpotenzials ihrer Ideen vorlegen. Die Weiterentwicklung zum vollständigen Geschäftskonzept erfolgt in der dritten Wettbewerbsstufe, die mit der Prämierung am 15. Juni in Berlin und am 12. Juli in München endet.

Der Wettbewerb

Die Idee eines Businessplan-Wettbewerbs wurde in den 80er Jahren in den USA am Bostoner Massachusetts Institute of Technology (MIT) geboren. Dort gelang es, durch die enge Zusammenarbeit von Hochschulen, unternehmerischem Umfeld und Kapitalgebern die Gründung innovativer Unternehmen zu initiieren und einen bedeutenden Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region zu leisten. Vor fünf Jahren fand die amerikanische Idee im Businessplan-Wettbewerb Berlin/Brandenburg einen deutschen Niederschlag. Angestoßen wurde dieser regionale Wettbewerb vom Betliner Existenzgründer-Institut. Der Münchener Wettbewerb (MBPW) wurde 1996/97 von der Unternehmensberatung McKinsey initiiert und bislang dreimal durchgeführt

Weitere Informationen: http://www.b-p-w.de oder http://www.mbpw.de

Quelle: Horizont, Karrieretrend, Autor: Doro Kammerer/si vom 02. März 2000

 

 

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